Vorbericht der 85. Kunstauktion
am 21./22.06.11

Am 21. & 22. Juni werden im Kinsky 211 Werke der Klassischen Moderne, 172 der zeitgenössischen Kunst und 130 Objekte, des zuletzt im Kinsky so erfolgreichen, Jugendstils versteigert. Mit einer Schätzpreissumme von 3,1 bis 5,6 Millionen Euro zeigt diese Auktion vor der Sommerpause ein hohes Qualitätsniveau.

Klassische Moderne

Am 21. Juni beginnt die Auktion der Klassischen Moderne mit einer kompletten und besonderen Sammlung. Es ist den im Kinsky Kunst Auktionen gelungen über 200 Werke des österreichischen Graphikers, Schriftstellers und Buchillustrators Alfred Kubin aus der Sammlung eines Rechtsanwaltes zu akquirieren.
Im Laufe von fünfzig Jahren wurde diese umfassende Kubin Sammlung zusammen getragen. Das Besondere an Kubin ist zweifellos sein alptraumhaft-phantastisches komplexes Werk, das sicherlich seinen Weltschmerz widerspiegelte und ihm damit seinen Ruhm bescherte. Besonderes „Herzstücke“ der Sammlung ist ein Konvolut von 6 Blättern: die „Landarztbilder“ (Schätzpreis
€ 6000 – 12.000) sind Illustrationen zu einer Erzählung Franz Kafkas. Die Schätzpreise der Arbeiten dieser Sammlung sind sehr niedrig gehalten und das Interesse daran, seit Erscheinen des Katalogs, steigt stetig.
Von einem „Sommer in Tirol“ kündet Alfons Waldes Ölbild (Schätzpreis € 80.000 – 150.000). Unverwechselbar sind seine Dynamik im Pinselstrich und das Spiel von Licht und Schatten, die das Leben am Land und in der Bergen so lebendig wiedergeben. Zu den Malern der österreichischen Zwischenkriegszeit gehört auch Ernst Huber, dessen „Afrikanisches Dorf“ von 1925 (€ 12.000 – 18.000) seinen malerisch expressiven Stil in der Landschaftsmalerei wiedergibt.
Neben diesem Ölbild ist er auch noch mit vier weiteren Papierarbeiten vertreten. Von der Grazer Malerin Norbertine Bresslern-Roth werden drei Bildern angeboten. Die „Werbung“ (Schätzpreis € 25.000 – 50.000) zeigt in eindrucksvoller Weise das Talent der bedeutendsten Tiermalerin ihrer Zeit. Mehr noch als die realistische Darstellung der Tiere ist es deren spezifische Wesensart, die in einer geradezu expressiven Dynamik wiedergegeben wird.
Das „Rendez-vous“ von Alfred Wickenburg, einem der wichtigsten Vertreter der steirischen Moderne, ist ein Jahr vor seinem Tod entstanden und wurde auf € 20.000 – 40.000 geschätzt. Dass Otto Dix ein exzellenter Zeichner war, ist auch in dem Ölbild „Steinbruch in den Vogesen“ (€ 50.000 – 80.000) zu sehen. Fast als grafisch sind manche Details in dieser Landschaft hervorgehoben und geben ihr dadurch eine besondere Struktur.

Zeitgenössische Kunst

2 Meter 50 lang ist das Highlight der zeitgenössischen Kunst. Die „Große Liegende“ von Fritz Wotruba breitet sich derzeit gemächlich im Kinsky aus und fordert € 100.000 – 180.000 von ihrem neuen Besitzer. Der „Maskenkopf“
(€ 20.000 – 40.000) ist in den sechziger Jahren entstanden, als Wotruba Modelle für Bühnenarchitektur und Kostüme für das Burgtheater schuf. Gleich ein ganzes Bühnenbild für das gleichnamige  antike Stück von Sophokles gibt das Modell „Antigone“ (€ 40.000 – 80.000) wieder.
Auch Josef Pillhofer zählt zu den ganz großen österreichischen Bildhauer, die auch in dieser Auktion im Kinsky vertreten sind. Die „Große Sphinx“ (€ 30.000 – 50.000) verkörpert Pillhofers Auffassung von kubistischer Formenwelt. Nicht nebeneinander, sondern geradezu ineinander verschoben sind seine Kuben und verdichten sich so zur „idealen Figur“.
Im selben Jahr wie Pillhofer, 2010, verstarb auch Bruno Gironcoli, von dem acht Arbeiten angeboten werden. Drei Papierarbeiten und vier Skulpturen, wie etwa der Aluminiumguss „Emil“ (€ 10.000 – 15.000). Auch von Hubert Schmalix steht, neben sechs Ölbildern, auch eine Bronze („Der Prophet“ € 7.000 – 12.000) zum Kauf. Schmalixs „Alphaomega II“ (€ 15.000 – 25.000) verdeutlicht die Stilrichtung der Neuen Malerei, die betont malerisch und formlos und mit kräftigen Farben großformatige Leinwände bedeckt.

In der zeitgenössischen Malerei zählen die Werke des phantastischen Realisten Arik Brauer („Der Fallschirmspringer“, „Der letzte Zigeuner“ je um € 40.000 – 80.000) und „Der Pfau“ (€40.000 – 80.000) von Arnulf Rainer zu den Highlights. Beide waren 1950 bei der Hundsgruppe, wie auch Ernst Fuchs, von dem zwei Ölbilder in dieser Auktion sind. Auch die anderen Mitglieder dieser Gruppe, wie Anton Lehmden, Wolfgang Hollegha, Markus Prachensky und Josef Mikl sind in dieser Auktion vertreten. Außergewöhnlich ist Arnulf Rainers „Filippo Brunelleschi“ (50.000 – 80.000), eine Gipsbüste von 1977, die er übermalte. Einen Blick sollte man auch auf die von Prof. Peter Baum für im Kinsky ausgewählten Zeitgenossen werfen: Hannes Mlenek, Eva Wagner und Sevda Chkoutova.

Jugendstil

Dass der Jugendstil im Kinsky immer schon erfolgreich war, liegt an der hohen Qualität der eingebrachten Objekte und an der Freude der Käufer an schönen und oft seltenen Arbeiten. Dass jedoch gleich ein Weltrekord in der kürzlich abgehaltenen Auktion verzeichnet werden konnte, liegt auch an der Leidenschaft so mancher Sammler, die bei im Kinsky immer etwas für sich finden. Der von Josef Hoffmann und Carl Otto Czeschka für die Wiener Werkstätte um 1906 entworfener Spieltisch wurde von € 45.000 auf das fast zehnmal so hohe Meistbot von € 410.000 (Kaufpreis € 486.500) gesteigert.

Am 22. Juni ab 17 Uhr sind nun wieder Werke von Josef Hoffmann, Kolo Moser, Johann Lötz Witwe, Otto Prutscher oder Franz Hagenauer im Angebot im Kinsky.
Eine Lampe von 1906 (€ 50.000 – 100.000), eine Kassette aus Silber mit Email von 1918 (€ 40.000 – 80.000) und eine sehr schöne Tischuhr von 1910 (€ 30.000 – 50.000) sind die Josef Hoffmann Highlights.
Der Wandspiegel (€ 9.000 – 15.000) von Karl Hagenauer zwischen 1925 und 1930 entworfen, wurde von seinem Eigentümer direkt in der Werkstätte Hagenauer gekauft.
Zwei Schreibtische, einer von Josef Hoffmann (€10.000 – 20.000) und einer von Otto Wagner (€ 12.000 – 20.000) entstanden beide 1906. Jeder für sich ist in seine Formsprache ein klar erkennbarer Ausdruck seines Schöpfers.
Die letzten Lose des Abends sind Glasobjekte wie die „Pulcini“ (9.000 – 15.000), vier Glasvögel von Alessandro Pianon und ein Einzelobjekt aus der Mustersammlung Venini von Alessandro Mendini um 1980. Dieses Modell ist einzigartig, da es nie in dieser Farbvariante ausgeführt wurde. (IJG)

 

Vernissage unserer 85. Kunstauktion

Mittwoch, 15. Juni 2011
18–20 Uhr in den Prunkräumen
im 1. Stock des Palais Kinsky, Freyung 4, 1010 Wien
Vortrag, Beginn 18.30 Uhr, Dr. Ernst Ploil,
Über den künstlerischen Nachlass von Fritz Wotruba

85. Auktion

Dienstag, 21. Juni 2011
Klassische Moderne, 16.00 Uhr
Zeitgenössische Kunst, 18.00 Uhr
Mittwoch, 22. Juni 2011
Jugendstil, 17.00 Uhr
Besichtigung, 16. Juni bis 22. Juni 2011
Mo–Fr 10–18 Uhr, Sa 10–17 Uhr, So 11–16 Uhr

Für zusätzliche Informationen und Fotobestellung stehe ich ihnen gerne zur Verfügung:
Iris J. Gradenegger, Tel. +43 1 5324200-11,
e-mail: gradenegger@imkinsky.com

 

 

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