Nachbericht der 87. Kunstauktion
am 8. / 9. / 10. November 2011
Höchstpreis für ein österreichisches Altmeistergemälde
ALTE MEISTER und 19. JAHRHUNDERT
Gleich am ersten Auktionstag sorgten die brillanten Pendants „Anbetung der Hirten" und „Kreuzabnahme" von Johann Georg Platzer für eine Sensation: Mit einem Verkaufspreis von € 429.000 (Meistbot € 360.000) repräsentieren sie den höchsten Preis, der je für ein Werk eines österreichischen Meisters vor 1800 in einer Auktion in Österreich erzielt wurde. Schon zu Lebzeiten des Künstlers (1704 - 1761) galten seine exzellenten Bilder als begehrte Sammlerstücke.
Ein Fest feierte das Auktionshaus im Kinsky auch mit der „Allegorie der Tulipomanie" von Jan Brueghel d. J. Das auf
€ 25.000 geschätzte Bild, das sich über die erste „Blase", den Handel mit Tulpenzwiebeln zu schwindelerregenden Preisen im 17. Jahrhundert, lustig macht, indem es die Akteure als Affen darstellt, wurde auf € 92.500 (Meistbot € 74.000) gesteigert. Auch bei „Venus und Amor" von Pietro Liberi gab es (unter heftiger Teilnahme italienischer Sammler und Händler) eine kräftige Steigerung auf € 32.500 (€ 26.000). Stark nachgefragt waren auch die beiden Paris-Veduten von Johann Wolfgang Baumgartner, die jeweils mit € 43.750
(je € 35.000) mehr als das Vierfache der Taxe erzielten. Auch das sind einsame Rekordpreise.
Bei den Bildern des 19. Jahrhunderts schoss „Die Ebene von Bois-Gaullaume bei Rouen" von Jean Baptiste Camille Corot den Vogel ab: Geschätzt auf € 15.000, erfolgte der Zuschlag erst bei € 83.000, was einen Verkaufspreis von € 103.750 darstellt. Zahlreiche Telefonbieter boten sich hier ein heftiges Bietgefecht.
Einen hohen Preis erzielte auch ein auf Porzellan gemaltes „Blumenstillleben mit Schmetterlingen" von Joseph Nigg. Der berühmte Blumenmaler der Wiener Porzellanmanufaktur lässt immer wieder mit außerordentlich hohen Preisen für seine Bilder aufhorchen, so auch im Kinsky: € 87.500 (Meistbot
€ 70.000) ließ sich ein Sammler das seltene Gemälde kosten. Robert Russ verbesserte die Vorgabe für seinen „sonnigen Innenhof" auf € 56.250 (€ 45.000). Sehr gut nachgefragt waren auch die Aquarelle und Rudolf von Alt und Franz Alt.
ANTIQUITÄTEN
Den höchsten Preis bei den Antiquitäten realisierte ein Elfenbeinpferd, Wien um 1700. Das Pferd lieferte vor fast genau einem Jahr die Sensation der 81. Auktion, es wurde von € 15.000 auf nahezu € 300.000 gesteigert. Allerdings äußerte der erfolgreiche Bieter bald darauf Bedenken, das Elfenbeinpferd könnte bedeutend jünger sein. Da naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden bei Elfenbein nicht möglich sind, entschloss sich das Auktionshaus im Kinsky zur Zurücknahme. Bei seinem neuerlichen Ausritt blieb die erhoffte Überraschung aus, € 47.500 (€ 38.000) bewegen sich im Schätzpreisrahmen.
Ein Narwalzahn verdoppelte seine Taxe auf € 17.200 (€ 14.000) - dem Auktionshaus blieb Gott sei Dank ein Übergriff eines Langfingers erspart. Eine Verdoppelung gelang auch mit einem Zylinderglas im pompejischen Stil von Anton Kothgasser (€ 16.200 / 13.000). Glas war überhaupt gut nachgefragt, eine hellgrüne Branntweinflasche erzielte
€ 16.200 (€ 13.000). Zu den Erfolgen der Auktion muss man auch zählen, dass fünf Barockschränke verkauft werden konnten - in Zeiten wie diesen ist das alles eher denn selbstverständlich.
JUGENDSTIL
Beim Jugendstil waren zwei Fauteuils von Josef Hoffmann (WW um 1906) besonders begehrt, sie wurden von € 6.000 auf € 25.000 und kosten den neuen Besitzer inkl. Des Aufgeldes € 31.250. Noch höher wurde eine Karaffe von Otto Prutscher gesteigert. Sie erzielte ein Meistbot von € 31.000 (brutto € 38.750). Ihren oberen Schätzwert übertroffen hat mit € 21.200 (Meistbot € 17.000) auch eine Bonbonieredose von Carl Otto Czeschka, während mehrere Objekte von Josef Hoffmann, zumeist ausgeführt von der Wiener Werkstätte, schätzwertkonform den Besitzer wechselten.
KLASSISCHE MODERNE
Die Klassische Moderne eröffnete mit einem furiosen Bietgefecht um ein Gemälde von Bernard Buffet. Das äußerst günstig mit € 8.000 eingeschätzte Blumenbild forderte 17 Telefonbieter zur Teilnahme an der Auktion heraus. Der Zuschlag erfolgte bei € 35.000 - auch international ein guter Preis.
Das Highlight der Klassischen Moderne war jedoch Pablo Picassos Bild vom Maler und seinem Modell, das ebenfalls von mehreren Bietern begehrt wurde und einer von ihnen ging bis zu einem Kaufpreis von € 239.250. Max Weilers kraftvolle Farben begeisterten ebenfalls und gingen für € 137.500 in einen neuen Besitz über. Zwischen € 15.000 und 25.000 lag der Schätzpreis des Öl- und Lackbildes von Josef Dobrowsky aus dem Jahre 1922 erreichte die Kaufpreissumme von
€ 78.244.
Insgesamt spielte die 87. Kunstauktion an drei Auktionstagen 4,4 Millionen Euro ein. In allen Sparten wurden durchschnittliche Verkaufsraten registriert. Angesichts einer ganzen Reihe außergewöhnlicher Steigerungen und herausragender Ergebnisse muss man wohl festhalten, dass die Sammler noch wählerischer geworden sind und sich sehr genau überlegen, welchem Kunstwerk sie ihre Gunst schenken. Wenn sie sich dazu entschlossen haben, scheint es nach oben fast keine Grenze zu geben.
Die nächste Auktion findet am 5. und 6. Dezember statt. Nachlässe - mit niedrigen Schätzpreisen und dem Pouvoir, auch nach unten zu steigern, sollte eine tolle Nachfrage sicherstellen.
NÄCHSTE AUKTION
Auktion am 5. & 6. Dezember 2011
Vernissage:
Mittwoch, 30. November 2011
18-20 Uhr in den Prunkräumen, im 1. Stock des Palais Kinsky, Freyung 4, 1010 Wien
Vortrag, Beginn 18.30 Uhr
Anekdoten aus Verlassenschaften:
Unsere Experten erzählen über außergewöhnliche Begebenheiten
Montag, 5. Dezember 2011
Alte Meister/Bilder des 19. Jh., Beginn 16 Uhr
Klassische Moderne/Zeitgenössische Kunst, Beginn 18.30 Uhr
Dienstag, 6. Dezember 2011
Antiquitäten, Beginn 16 Uhr
Antiquitäten/Jugendstil/Asiatika, Beginn 18.30 Uhr
Besichtigung, 30. November bis 6. Dezember 2011
Mo-Fr 10-18 Uhr, Sa 10-17 Uhr, So 11-17 Uhr
Katalogbestellung & Information: +43 1 532 42 00
Online-Katalog: www.imkinsky.com
Für zusätzliche Informationen und Fotobestellung stehe ich ihnen gerne zur Verfügung:
Iris J. Gradenegger, Tel. +43 1 5324200-11,
E-Mail: gradenegger@imkinsky.com


